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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mit Demenz bist du krank!?


Heute mal ein weiteres Thema, das ich aus meiner Arbeit bestens kenne.
Demenz und auch Alzheimer. Beides sind herausfordernde Zustände, jedoch nicht das Gleiche oder Selbe. Unter dem Begriff der Demenz verbirgt sich eine Anzahl von Erkrankungen des Gehirns, die alle die Gemeinsamkeit haben, das es sich um Verluste der Speicherfähigkeit von Informationen betrifft. Dies kann einzelne Bereiche des Gehirns betreffen oder mehrere. 
So können Betroffene sich vielleicht Zahlen nicht mehr merken, oder eine Fremdsprache nicht mehr abrufen. Es kann aber auch sein, das vergessen wurde, wie man sich bewegen, oder essen soll. Während beim Allzheimer ein stetiger und allmählicher Abbau aller Bereiche vorzufinden ist. Alzheimer ist dadurch gekennzeichnet, sich nur in eine Richtung zu entwickeln. In die des Vergessens. 
Bei der Demenz ist kaum vorherzusagen, wie sich diese entwickelt. So kann sich der Zustand stetig verschlechtern, aber auch wieder für kurze Zeit verbessern. Es kann allmählich ein Abbau stattfinden oder es findet nur einmal einer statt und dann verbleibt die Person auf dem Niveau. Sowohl für Betroffene als auch Angehörige ist diese Realität oftmals schwer zu meistern. Denjenigen den es trifft kann es aus der Bahn werfen, sprichwörtlich. Ein Teil verschweigt es vor sich selber, bis es nicht mehr geht. Viele Kompensieren ihre Verluste sehr geschickt und sehr lange. Manche verändern sich im Wesen teils zu sehr unsympathischen Typen. Manch einer wird gar aggressiv, weil er nicht fassen kann was er meint zu wissen. Bedenkt man das viele sehr wohl mitbekommen, das ihr Gehirn nicht mehr tut was es bisher konnte. Es gibt auch viele die es nicht merken oder merken wollen und bis zum eisernen Ende beteuern, das sie geistig fit sind. Nun wird meist erst einmal mit Medizin reagiert und die Diagnose gestellt, mal mehr mal weniger feinfühlig. Oft landen, ja man muss es so nennen, die Betroffenen im Heim. Viele Heime sind personell nicht wirklich darauf ausgelegt und vor allem viele Pflegekräfte vergessen womit sie es zu tun haben, aber auch viele Angehörigen überschätzen ihr Können und die Kraft die es kostet, einen Betroffenen alleine zu betreuen daheim. 
Oftmals ist es einfacher als man denkt aber warum ist es überhaupt so schwer, der ganze Umgang? 
Hier setze ich mal eine provokative Behauptung an. 
Nicht der Begriff der Demenz ist problematisch oder das jemand die Diagnose Alzheimer bekommt- wo wir bis heute nur einen Bruchteil der Ursachen kennen- nein, ich sehe es in der Tatsache, das alle Formen der kognitiven, also der geistigen Einschränkung in diesem Bereich als Erkrankungen angesehen werden. Ich denke, statt diese Menschen als Krank anzusehen, was zum aggieren führt, sollte man es als einen Prozess betrachten, der einem Abschiednehmen gleicht, was zum begleiten führt. Die Menschen nehmen  bewusst, gewollt oder unbewusst Abschied vom Leben, so wie es war. Das ist ein Lernprozess. Betrachten wir es als Anghörige und Pflegepersonal auch aus dieser Perspektive, so lernen wir leichter damit umzugehen und nehmen auch bewusster Abschied. Ein langer Abschied zuweilen, aber eine wunderbare Chance. 
Sehen wir es von dieser Warte aus an, hören wir auf zu aggieren und reagieren statt dessen auf den Menschen und seiner Situation. Wir holen ihn dann dort ab, wo er gerade steht, anstatt ihn zu therapieren und an seinen eigentlichen Bedürfnissen vorbei zu gehen. 
Das ist nämlich, was immer und immer wieder passiert. 
Das ist was soviel Kraft kostet, diesen kranken Menschen zu behandeln, wo es nichts zu behandeln gibt. Ja, ich bin mir bewusst, das es Medikamente gibt,  die den Prozess hinauszögern können, wenn man sie sehr, sehr früh einsetzt. Ja, es sind auch junge Menschen betroffen, wo man bis heute nicht wirklich weiss, warum. 
Jedoch kann ich sagen, das viele im Alter nicht von ungefähr in das Vergessen geraten. Nicht nur unsere Ernährung und Lebensweise sorgt für diese Entwicklung, sondern auch, wen wir im Alter um uns herum haben. Wer alleine lebt, dem fehlt das geistige Austauschprogramm und wer im Heim mit klarem Kopf hineinkommt, wandern dennoch fast immer im Vergessen hinaus. Das kann aber nicht wirklich verwundern, wenn man seinen letzten Lebensabschnitt an einem Ort verbringen muss, das niemals ein Heim sein wird.  
Darum, sehen wir es als Abschied nehmen vom Leben, können wir den Menschen die Freiheit lassen so zu sein, wie sie sind und es gibt Projekte und Demenzhäuser, die genau das machen. Auf den Menschen reagieren, wann auch immer, wie auch immer und wo auch immer er steht. Dann ist die Pflege einfacher, der Umgang leichter und auch daheim würde man aufhören immer Angst zu haben und statt wie ein Hubschrauber über allem zu kreisen, dem Leben vertrauen und zum Beispiel die Mama eben drausen tanzen lassen wie ihr grade ist. Denn diese Betroffenen werden sehr häufig zu Kindern und bei denen reagieren wir auch statt zu aggieren, zu bestimmen oder nur zu fordern und zu verbieten. Am glücklichsten sind doch alle, wenn man einfach schaut, wo man steht. Kurzum, wenn wir aufhören Demenz in all ihren Formen und Alzheimer als blose Erkrankung zu sehen und statt dessen es mehr als einen Schritt im Prozess des Lebens, des Abschiedes nehmen, dann glaube ich, wird der Umgang miteinander wieder  menschenwürdiger werden, denn die Menschenwürde steht auch diesen Menschen zu.
Nicht zu vergessen das die Wahrnehmung als Krankheit oft den Menschen scheinbar die Freiheit gibt die Betroffenen ständig zu mahnen, ihnen Vorschriften zu machen, zu erklären was sie dürfen und was nicht, denn sie seien zwar krank, aber hätten sich doch gefälligst an die gesellschaftlichen Konventionen und Regeln zu halten. Gerade aber das können oder wollen diese aber nicht. Es wird den Betroffen damit die Vollwertigkeit als Mensch genommen. Krank ist gleich unvollständig und hat kein Recht auf eigene Meinung und Lebensgestaltung. 
Deswegen plädiere ich für das Umdenken und sage, es ist ein Teil des Lebensprozesses im Rahmen des Abschieds vom Leben selbst.

Licht & Liebe

Montag, 5. Mai 2014

Ein Abend für Helmut Baumann


Am Abend des 5. Mai fand eine Gala zu Ehren von Helmut Baumann, in den Räumen des Quatsch Comedy Clubs, der neben dem Friedrichstadtplast liegt, statt. Der Ehrengast des Abends wurde gerade mit dem Deutschen Musical Theater Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, durch die Deutsche Musical Akademie.
50 Jahre lang schuf er Musicals und ward nicht müde das Beste aus allen heraus zu holen. Er bereitete, ja ebnete den Weg für viele der Sänger, Choreografen, Songschreiber, Stückeschreiber und Co. vor, als auch auf.
Er trieb sie, ermunterte sie, kritisierte sie, hielt sie auf dem Boden und ließ sie Höhenflüge machen.
Durch den Abend wurde der Zuschauer von der fabelhaften Gayle Tufts begleitet, die es mit herzhaftem Charme und viel Esprit schaffte, einen würdevollen und anspruchsvollen Rahmen für die Darbietung der Gratulationsgäste zu schaffen.
Es wurden bei wunderbarer und purer Klavierbegleitung Lieder geschmettert, Erfahrungen ausgetauscht und Leidenschaften zum Besten gegeben. Mit viel Selbstironie gaben die Sänger u. A. Angelika Milster, ihr Ständchen, was der Ehrengast mit sehr viel Herzlichkeit und Rührung entgegen nahm.
Zum Schluss durfte Baumann neben seiner Danksagung, noch kleine Anekdoten erzählen, welche mit einem gemeinsammen Lied abgerundet wurden, was am Ende nur noch die Antwort auf die Frage- Wann ist die Beste Zeit?- hatte, -Wer weiss?!-.
Am Ende wünscht man diesem Format, das heute im kleinen Rahmen seinen Einstand fand, die Chance, so groß zu werden, wie die Macher es sich wünschen, denn die Idee stammt, wie vieles was wir kennen aus den USA, wo es mittlerweile grosse Gala- Abende für das Musical gibt, als auch für einzelne Menschen, die sich jahrelang geopfert und ihren Stempel aufgetragen haben.



Pics @ Ian Hansen- Artikel vom Bloginhaber: Tom Sebastian

Licht & Liebe

Sonntag, 24. März 2013

Stolperfallen, Hilfsmittel, Stürze

Stolperfallen sind ein Thema in meiner Arbeit.... Da lese ich viel darüber, da schaue ich, wie es im eigenen Haus ausschaut, da tausche ich mich mit Anderen aus. 
Stolperfallen sind ein Thema, wenn es um, vor allem alte Menschen geht.
Stolperfallen gilt es zu ermitteln, zu erkennen, zu beseitigen.
Das lässt sich natürlich nur bedingt vollziehen. Es dürfte klar sein, das ich draussen auf der Strasse nicht jedem alten Menschen hinterher oder gar voraussahnend laufen kann, um eventuelle Stolperfallen schnell beiseite zu schaffen. Selbst wenn ich wollte, schnell lässt sich da oft einmal gar nichts machen. 
Daheim bei den alten Damen und Herren sieht es schon anders aus. Da gibt es so allerhand an Gefahren, wie den bösen Teppich, die kleine gemeine Stufe oder die Türschwelle, die sie umhaut wie eine riesige Welle. Da ist das Kabel das sich um's Bein schlängelt wie eine Natter oder der scheinbar harmlose Schrank im Flur, der Dir immer wieder ein Bein stellt, so das du unsanft hinfällst.
Und ach was ist dass dann immer ein Drama, wenn die Kinder zu Eltern werden und ihre Eltern zu Kindern machen. Da gibt es nichts zu Lachen. Aber hier lässt sich einiges machen. Ganz einfach sogar, das wird nach kleiner Aufklärung auch jedem klar. 
Doch dann kommen Neuerungen. Es wird die Toilette "altersgerecht" gemacht. Meist sieht das auch ganz gut aus und scheint auch wirklich zu helfen. 
Scheint, denn oft ist nicht immer gut, was gut gemeint ist. Da kommt die Mutter gut in die Dusche rein, doch die Fliessen sind zu glatt. Da gibt es diese tolle Handstütze an der Wand, doch die ist für das kleine Bad zu lang. 
Und wieder haben wir das Drama.... ganz wie in einem Theater, Akt zwei ist jetzt dabei, die Mama und den Papa zu denunzieren. 
Jetzt muss der Rollator her, denn das Gehen fällt schwer, der Rücken wird krumm und die eigenen Eltern gelegentlich etwas "dumm". 
Doch diese tolle Erfindung sie hilft nicht nur, sie schwächt auch sehr, denn sie macht bequem und somit schwächer in den Muskeln, unvorsichtig im Gebrauch und schon liegt Papa auf dem Bauch.
Nun kommt Akt Drei, da ist dann die Meinung von den Eltern einerlei. 
Jetzt kommt das Heim!
Wie schön hier gibt es keine Stolperfallen, auch passt hier jeder auf, dass der Rollator gut und richtig genutzt wird und Training für die Muskeln gibt es auch. 
Wie schön währe es wenn ich Ihnen jetzt sagen könnte: " Nie, nie wieder wird es Stürze geben. Ab jetzt können sie Angstfrei leben!"
Doch oft verlieren die Damen und Herren an Gewicht, ja da stürzt es sich, ganz leicht, ganz leicht, nicht wirklich seicht, denn Knochen brechen mal im Alter, die sind nicht mehr so stark. Ja so ist das im Alter. 
Aber ach, da gibt es noch etwas, was ich immer wieder seh', die Halterung im Bad ist in vielen Heimen viel zu hoch und dann noch schräg, damit können die alten Mütter und Väter nicht umgeh'n. Die bewegliche Halterung rechts von der Toilette, die ist auch viel zu hoch und viel zu kurz. Da hat man wohl zu sehr am Gesunden alles erprobt. Das Beste aber ist, das Architekten oft gar nicht wissen, das alte Menschen einen Rollator besitzen, denn der Platz neben der Zimmertür ist mit ein paar Zentimeter viel zu klein und schon haben wir den schwarzen Peter und das Drama ruft hinein: "Der Rollator kann nicht einfach rum, er muss geradezu 360° gedreht werden, wo doch das rechte Bein nicht so will, das Gewicht sich so schlecht halten lässt und kein Handlauf im Zimmer ist..."
Egal, man muss zurück in's Bett. Es war dort so schön nett. 
Doch leider, leider... so eine Drehung, die ist schwierig und das Drama... ja, ganz wie im Theater... auch im letzten Akt es ist... Ein Sturz. 


LOVE & LIGHT