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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mit Demenz bist du krank!?


Heute mal ein weiteres Thema, das ich aus meiner Arbeit bestens kenne.
Demenz und auch Alzheimer. Beides sind herausfordernde Zustände, jedoch nicht das Gleiche oder Selbe. Unter dem Begriff der Demenz verbirgt sich eine Anzahl von Erkrankungen des Gehirns, die alle die Gemeinsamkeit haben, das es sich um Verluste der Speicherfähigkeit von Informationen betrifft. Dies kann einzelne Bereiche des Gehirns betreffen oder mehrere. 
So können Betroffene sich vielleicht Zahlen nicht mehr merken, oder eine Fremdsprache nicht mehr abrufen. Es kann aber auch sein, das vergessen wurde, wie man sich bewegen, oder essen soll. Während beim Allzheimer ein stetiger und allmählicher Abbau aller Bereiche vorzufinden ist. Alzheimer ist dadurch gekennzeichnet, sich nur in eine Richtung zu entwickeln. In die des Vergessens. 
Bei der Demenz ist kaum vorherzusagen, wie sich diese entwickelt. So kann sich der Zustand stetig verschlechtern, aber auch wieder für kurze Zeit verbessern. Es kann allmählich ein Abbau stattfinden oder es findet nur einmal einer statt und dann verbleibt die Person auf dem Niveau. Sowohl für Betroffene als auch Angehörige ist diese Realität oftmals schwer zu meistern. Denjenigen den es trifft kann es aus der Bahn werfen, sprichwörtlich. Ein Teil verschweigt es vor sich selber, bis es nicht mehr geht. Viele Kompensieren ihre Verluste sehr geschickt und sehr lange. Manche verändern sich im Wesen teils zu sehr unsympathischen Typen. Manch einer wird gar aggressiv, weil er nicht fassen kann was er meint zu wissen. Bedenkt man das viele sehr wohl mitbekommen, das ihr Gehirn nicht mehr tut was es bisher konnte. Es gibt auch viele die es nicht merken oder merken wollen und bis zum eisernen Ende beteuern, das sie geistig fit sind. Nun wird meist erst einmal mit Medizin reagiert und die Diagnose gestellt, mal mehr mal weniger feinfühlig. Oft landen, ja man muss es so nennen, die Betroffenen im Heim. Viele Heime sind personell nicht wirklich darauf ausgelegt und vor allem viele Pflegekräfte vergessen womit sie es zu tun haben, aber auch viele Angehörigen überschätzen ihr Können und die Kraft die es kostet, einen Betroffenen alleine zu betreuen daheim. 
Oftmals ist es einfacher als man denkt aber warum ist es überhaupt so schwer, der ganze Umgang? 
Hier setze ich mal eine provokative Behauptung an. 
Nicht der Begriff der Demenz ist problematisch oder das jemand die Diagnose Alzheimer bekommt- wo wir bis heute nur einen Bruchteil der Ursachen kennen- nein, ich sehe es in der Tatsache, das alle Formen der kognitiven, also der geistigen Einschränkung in diesem Bereich als Erkrankungen angesehen werden. Ich denke, statt diese Menschen als Krank anzusehen, was zum aggieren führt, sollte man es als einen Prozess betrachten, der einem Abschiednehmen gleicht, was zum begleiten führt. Die Menschen nehmen  bewusst, gewollt oder unbewusst Abschied vom Leben, so wie es war. Das ist ein Lernprozess. Betrachten wir es als Anghörige und Pflegepersonal auch aus dieser Perspektive, so lernen wir leichter damit umzugehen und nehmen auch bewusster Abschied. Ein langer Abschied zuweilen, aber eine wunderbare Chance. 
Sehen wir es von dieser Warte aus an, hören wir auf zu aggieren und reagieren statt dessen auf den Menschen und seiner Situation. Wir holen ihn dann dort ab, wo er gerade steht, anstatt ihn zu therapieren und an seinen eigentlichen Bedürfnissen vorbei zu gehen. 
Das ist nämlich, was immer und immer wieder passiert. 
Das ist was soviel Kraft kostet, diesen kranken Menschen zu behandeln, wo es nichts zu behandeln gibt. Ja, ich bin mir bewusst, das es Medikamente gibt,  die den Prozess hinauszögern können, wenn man sie sehr, sehr früh einsetzt. Ja, es sind auch junge Menschen betroffen, wo man bis heute nicht wirklich weiss, warum. 
Jedoch kann ich sagen, das viele im Alter nicht von ungefähr in das Vergessen geraten. Nicht nur unsere Ernährung und Lebensweise sorgt für diese Entwicklung, sondern auch, wen wir im Alter um uns herum haben. Wer alleine lebt, dem fehlt das geistige Austauschprogramm und wer im Heim mit klarem Kopf hineinkommt, wandern dennoch fast immer im Vergessen hinaus. Das kann aber nicht wirklich verwundern, wenn man seinen letzten Lebensabschnitt an einem Ort verbringen muss, das niemals ein Heim sein wird.  
Darum, sehen wir es als Abschied nehmen vom Leben, können wir den Menschen die Freiheit lassen so zu sein, wie sie sind und es gibt Projekte und Demenzhäuser, die genau das machen. Auf den Menschen reagieren, wann auch immer, wie auch immer und wo auch immer er steht. Dann ist die Pflege einfacher, der Umgang leichter und auch daheim würde man aufhören immer Angst zu haben und statt wie ein Hubschrauber über allem zu kreisen, dem Leben vertrauen und zum Beispiel die Mama eben drausen tanzen lassen wie ihr grade ist. Denn diese Betroffenen werden sehr häufig zu Kindern und bei denen reagieren wir auch statt zu aggieren, zu bestimmen oder nur zu fordern und zu verbieten. Am glücklichsten sind doch alle, wenn man einfach schaut, wo man steht. Kurzum, wenn wir aufhören Demenz in all ihren Formen und Alzheimer als blose Erkrankung zu sehen und statt dessen es mehr als einen Schritt im Prozess des Lebens, des Abschiedes nehmen, dann glaube ich, wird der Umgang miteinander wieder  menschenwürdiger werden, denn die Menschenwürde steht auch diesen Menschen zu.
Nicht zu vergessen das die Wahrnehmung als Krankheit oft den Menschen scheinbar die Freiheit gibt die Betroffenen ständig zu mahnen, ihnen Vorschriften zu machen, zu erklären was sie dürfen und was nicht, denn sie seien zwar krank, aber hätten sich doch gefälligst an die gesellschaftlichen Konventionen und Regeln zu halten. Gerade aber das können oder wollen diese aber nicht. Es wird den Betroffen damit die Vollwertigkeit als Mensch genommen. Krank ist gleich unvollständig und hat kein Recht auf eigene Meinung und Lebensgestaltung. 
Deswegen plädiere ich für das Umdenken und sage, es ist ein Teil des Lebensprozesses im Rahmen des Abschieds vom Leben selbst.

Licht & Liebe

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Respektloses Pflegepersonal!? Eine Antwort.


In den letzten Tagen ist wieder einmal ein Video aufgetaucht, was unsagbare Zustände in der Altenpflege zeigte. Genauer, hier handelte es sich um Personal, das respektlos mit den Betroffenen umging. Die Unfassbarkeit dieser Handlungen ist in vielen Kommentaren zu Wort gekommen und auch die Angst, die viele nun umtreibt, einmal selbst so etwas erleben zu müssen oder das ihre Eltern dies durchstehen sollen.
Das es gerade in der Altenpflege teils gravierende Mängel gibt ist seit Jahren bekannt, jedoch gibt die Presse ein sehr einseitiges Bild ab, was es mit der Wirklichkeit auf sich hat.

Unbestreitbar ist, das sich die allgemeine Lage zusehends verschlechtert.
Wer aber trägt nun die Schuld an dieser Entwicklung?
Viele sind sich einig, es ist die Politik und gelegentlich wird auch von den Eigentümern der Heime gesprochen. 
Stimmt das so? Und sind nur diese schuld?
Schauen wir uns das einmal etwas genauer an. 
Die Politik, genauer die Gesundheitspolitik hat sich tatsächlich bisher nicht wirklich im Sinne des Verbrauchers entwickelt. Die gesetzlichen Regelungen sind kaum verändert worden, ja gelegentlich nur etwas verschärft worden- jedoch nur im Bereich der Kontrollen, nichts aber wurde gemacht um Ursachen zu bekämpfen, zu mindern, die Vorraussetzungen für eine bessere Pflege zu schaffen. Hohle Worte bisher auch von der Bundeskanzlerin, die zwar respektvoll von der Pflege spricht, aber nicht zugeben mag, das viele Verschlechterungen gerade aus ihrer Feder stammen. Die Gesundheitsreform ist unter mit ihr zusammen geschaffen worden. Der anfänglichen Verbesserung finanziell ist ein Umbruch in das volle Gegenteil entsprungen. Der Konkurrenzkampf wurde erhöht und die Privatisierung gefördert. Zwangsläufig, aufgrund neuer Regelungen auch in der Bezahlung der Leistungen. 
Und wo wir schon beim Geld sind, so haben die letzten Gesundheitsminister alles andere dafür getan, die Probleme der Kassen zu Gunsten und im Sinne des Bürgers zu regeln. Ganz im Gegenteil wurde bisher, entgegen der Wahlversprechen, immer wieder die Zuzahlung des Steuerzahlers erhöht. Statt die Pflegekassen zu reformieren, vielleicht gar mit etwas Anderem zu ersetzen, da der Aufbau der Pflegekassen von Anfang an falsch konzipiert war, drückt man sich bisher davor und setzt auf mehr Einnahmen vom kleinen Mann. 
Nun arbeitet die Politik mit Verbänden zusammen, wie zum Beispiel Verdi und dem Medizinischem Kontrolldienst der Krankenkassen. 
Verdi hat es aber leider bisher nicht geschafft, die Politik auf seine Seite zu holen und die Arbeitgeber und Eigentümer davon zu überzeugen, das es auch einen anderen Weg in der Zukunft geben kann. Ausserdem kämpft Verdi fast ausschliesslich für die Krankenhäuser und lässt Heime und Hauskrankenpflegen links liegen. Zudem haben es die Arbeitgeber in der Altenpflege erfolgreich verstanden dem Personal genug Angst zu machen, sich über Verdi zu engagieren und einen Betriebsrat gründen zu können. Der Betriebsrat, klug umgesetzt und besetzt, kann eine grosse Hilfe für alle Beteiligten sein, wird aber zunehmend nur als Gegner aufgefasst und stark bekämpft. Viele Kollegen wissen nicht einmal, wie sie ohne Probleme an Verdi und einer Gründung eines eigenen Betriebsrates kommen. Dabei ist dies durchaus recht einfach. Grundsätzlich. Nun gibt es aber noch mehr Gewerkschaften und Vereine, jedoch ist deren Zusammenarbeit äusserst schwierig, da vor allem alleine statt zusammen gearbeitet wird. Gleiche Ziele aber grosses Misstrauen untereinander und vor allem verschiedene Auffassungen, wie der Arbeitskampf ausgeführt werden sollte. Hier spielt das Gelernte eine grosse Rolle, denn gerade dem Pflegepersonal ist oftmals eingeimpft, dass der Betroffene nicht unter dem Arbeitskampf leiden darf. Jedoch vergessen viele, dass dies genau das Druckmittel ist, was sie haben und einsetzten müssen. Streiks müssen für den Arbeitgeber weh tun und vor allem für die Politik. Doch  hier zeigt sich, das die Pressearbeit für derlei Aktionen ein Stiefkind ist, statt sie intelligent zu nutzen, als Medium für Personal und Betroffenen. 
Aber dazu später mehr. 
Die Kontrollinstanzen, eigentlich sollten es tatsächlich Mehrere sein, jedoch hat der MDK- Medizinische Kontrolldienst der Krankenkassen- es blendend verstanden sich so stark zu positionieren, das Andere fast keine Chance haben sich zu profilieren. Diese Instanzen sollen die Pflege sichern laut Auftrag. Sie haben, und tun das noch immer, schwarze Schafe entblößt und sorgen für Bereinigung auf dem Markt. Jedoch deren Ergebnisse sind nicht nur fraglich in ihrem Nutzen, sie verfälschen gar das Bild was sie abgeben sollten und zeigen eines, das zur Bewertung und Qualitätssicherung nichts taugt. 
Wie die Pflege tatsächlich ausgeführt wird weist sie nicht nach, nur was dokumentiert wird und ob gesetzliche Vorschriften eingehalten werden. Gelegentlich ist sie hier tatsächlich ein Ratgeber und lässt den Verbraucher verstehen, warum es welche Regelung gibt, denn es sind durchaus etliche Bestimmungen, die tatsächlich Sinn machen, dabei. 
Jedoch ist das nicht alles was sie tut. Sie bestimmt auch, wie pflegeaufwändig jemand ist und da scheiden sich die Geister, denn der berechnete Aufwand stimmt zu grossen Teilen gar nicht mit dem tatsächlichem Aufwand überein. Das hat schlicht damit zu tun, das Fachfremde einen Wert errechnen, der am gesunden Menschen erprobt wurde und mit dem Kranken und Schwachen nichts gemein hat. 
Eine Einschätzung des Pflegaufwandes macht grundsätzlich Sinn, aber sie ist bei uns in Deutschland an Geld gekoppelt und an bürokratischen Aufwand, der sich fern der Bedürfnisse bewegt. Entstanden ist dieses Bewertungssystem durch die Pflegekassen, da sie der Hauptgeldgeber sind für Pflegebedürftige. Leider wurde bis heute die Alterspyramide nicht beachtet und so ist dieses System zum Scheitern verurteilt. 
Da zudem nun dadurch mehr denn je Geld gespart werden muss sind die Angaben nicht nur strenger geworden, sondern auch viele Prüfer gezwungen sich streng nach Protokoll zu verhalten, zudem sie einem Erfolgsdruck ausgesetzt sind, da die meisten Prüfer nicht angestellt sind, sondern auf Vertragsbasis arbeiten. Auch ist die Prüfungszeit offiziell ausreichend, jedoch in der Realität oft anders umgesetzt, da der Prüfer sonst zu wenig verdient. Oftmals erlebt man dadurch, das Einspruch erhoben werden muss, was aber Zeit kostet und vor allem Geld, das nicht eingenommen werden kann. Angesicht dieser Realität muss man dem Staat völliges Versagen attestieren, seinen Bürgern das Gleichheits/recht/gesetzt zu garantieren und vor allem die Menschenwürde.
Leider sind dies aber nicht alle Schuldigen im Spiel. 
Pflegeheime sind Profitorientiert ausgerichtet. Die eigentlichen Eigentümer sind oft nicht bekannt oder so sehr im Hintergrund, das hier kaum eingewirkt werden kann. Oft ist die Organisationsstruktur von Unternehmen so geregelt, das zugleich Verlust und Gewinn gemacht werden kann.
Scheinbar ein Paradox doch in der Realität durchaus sehr gut ausführbar. Sprich, die Basis verdient das Geld und bei Ketten wird es auf alle Häuser/Heime verteilt und vor allem erst einmal nach oben. Gewinne eines Hauses gehen nicht unbedingt an das Haus selbst zurück. Häufig befinden sich die Unternehmer an der Börse und so muss Gewinn gemacht werden und zwar nach oben hin. Dies ist aber immer öfter kaum umzusetzen, weshalb bei den grössten Ausgabeblöcken gespart wird. Dem Personal und der Instandhaltung. 
Heimleiter versuchen hier oftmals einen Spagat. Sie brauchen gutes Personal, das aber gut bezahlt sein will und müssen zugleich schauen, das sich ihre Pflege lohnt und dazu braucht es möglichst pflegeaufwändige Menschen, die von der gleichen Anzahl Personal betreut werden sollen, wie wenn es für nur leichte Pflege währe. Fakt ist, dass die Vorschriften der Krankenkassen und Pflegeversicherungen vor allem wenig Fachpersonal vorschreiben, aber immer mehr fordern, gerade auch im Nachweis der Arbeit. Die Arbeitsbelastung der Fachkräfte ist daher oft sehr hoch und auch ihre Verantwortung. Zumal sich viele zusätzlich an der allgemeinen Pflege beteiligen müssen, wozu sie eigentlich keine Zeit haben.
Das hat dazu geführt das es einen Fachkräftemangel gibt. Denn der Lohn ist erschreckend gering für die Leistungen. Alles aber hängt auch von einer Heimleitung ab, die zusammen mit einer Pflegeleitung es versteht, ein Haus wirtschaftlich und sinnvoll zu planen und zu gestalten. Leider werden Pflegeleitungen noch mehr ausgenutzt und so ist aus einem aktraktivem Berufsziel ein Horrorjob geworden. An ihnen fehlt es daher noch mehr. 
Die Lage ist aber auch dem Pflegepersonal selbst zuzuschreiben. Zu lange haben sie nichts gesagt. Zu lange haben sie nicht aufbegehrt. Zu lange wurde alles stilschweigend mitgemacht. Zu lange unkritisch die eigene Haltung gesehen. Zu lange haben sich die Meisten nur als Opfer betrachtet. Zu lange haben sie sich nur passiv gewehrt oder am falschen Manne. Sie haben die Familien leiden lassen. Sie haben die Betroffenen leiden lassen. Sie haben sich abgestumpft und den eigenen Respekt verloren- vor sich selber und vor Anderen. Sie haben es sich all zu oft bequem in ihrer Lage gemacht und zu oft selbst mit dem schlechtesten Gehalt noch gearbeitet. Sie haben ihre Rechte zu selten eingefordert und sich fast nie um das Erwerben des Wissens darüber gekümmert. Sie haben zu lange stillschweigend zugeschaut, wie Kollegen Alkoholiker wurden, Tablettensüchtig wurden, Selbstmord begingen oder sich körperlich kaputt gearbeitet haben. Sie haben zu lange weggeschaut, wenn einer Unrecht tat, wenn verbale Aggression ausgetragen wurde und wenn die Grenzen überschritten wurden. Sie haben zu lange sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geduldet, auch vor allem von den Betroffenen, ihren alten Menschen und deren Angehörigen. Sie haben sich viel zu lange gegenseitig das Leben schwer gemacht, aus Angst vor sich selber. Sie beginnen erst jetzt sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst zu werden, was Menschlichkeit und Menschenwürde ist- die Eigene und die der Anderen. Sie beginnen zu verstehen, das sie Forderungen laut und ohne Rücksicht stellen müssen und das sie aufhören müssen sich zu entschuldigen, für etwas das sie nicht verursacht haben. Sie begreifen so langsam, das auch die Betroffenen eine Mitschuld an der Lage tragen, denn die Vorstellungen was heute Pflege sein soll ist oft falsch und nicht erfüllbar. Zudem haben wir alle in den die letzten 30 bis 40 Jahre versäumt ernsthaft den Bedingungen etwas entgegen zu setzten. Ja, wir tragen alle eine Mitschuld. 
So muss ein Jeder sich also selbst einmal im Spiegel betrachten und eingestehen, er hat bisher versagt.
Zuletzt sei noch einmal die Presse erwähnt, die es uns bisher kaum ermöglicht, ein positives Bild zu sehen für die Zukunft, denn negative Schlagzeilen sind einfach zu schön. 
Ironie beiseite, wir haben hier viele Gründe, das hauptsächlich viel Lobbyistenarbeit dahinter steckt. 
Was kann man dagegen tun? Nun, es müssen die Probleme klar bezeichnet werden, aber auch all die positiven Entwicklungen die es gibt. Häuser die wunderbar funktionieren, Menschen die sich einsetzen und die Pflege wirklich wieder zu einem schönen Job werden lassen und natürlich gibt es Heime und ähnliches, wo ein Mensch einen doch recht wunderbaren Lebensabend verbringen kann und das nicht nur wenn man reich ist. Die Drei- Klassen- Medizin, die wir immer mehr haben, ist sicher in naher Zukunft etwas, das man deutlich zugeben und benennen muss, jedoch gibt es Alternativen. 
Aber wir müssen auch endlich selber an die Presse heran gehen, Ihnen das geben was uns nütz und hilft. 
Nennen wir das Kind öffentlich beim Namen und zeigen Möglichkeiten auf. Heime müssen sich endlich mehr Gedanken um ihre eigene Pressearbeit machen. Webseiten sollten durchforstet werden und auch die eigene Aussendarstellung beobachtet, gegebenenfalls korrigiert werden. Kritik muss konstruktiv begegnet werden und das Personal muss sowohl Positives, als auch Unbeliebtes weitergeben können.  Pflegekräfte sollten sich zudem glaubhaft darstellen können und positionieren und auch Streiks gemeinsam durchführen können. 
Dieses Druckmittel ist legitim und notwendig. 
Nur so kann der Überlastung und Abstumpfung des Personals und der Respektlosigkeit gegenüber Betroffenen entgegengewirkt werden. Nur so werden wir Richtung Verbesserung gehen können.
Alles das zeigt, wie komplex das Thema ist und wie wichtig eine ernsthafte Auseinandersetzung und Bearbeitung ist.

Mit diesen Gedanken verbleibe ich und wünsche allen ganz viel Licht & Liebe

Montag, 5. Mai 2014

Ein Abend für Helmut Baumann


Am Abend des 5. Mai fand eine Gala zu Ehren von Helmut Baumann, in den Räumen des Quatsch Comedy Clubs, der neben dem Friedrichstadtplast liegt, statt. Der Ehrengast des Abends wurde gerade mit dem Deutschen Musical Theater Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, durch die Deutsche Musical Akademie.
50 Jahre lang schuf er Musicals und ward nicht müde das Beste aus allen heraus zu holen. Er bereitete, ja ebnete den Weg für viele der Sänger, Choreografen, Songschreiber, Stückeschreiber und Co. vor, als auch auf.
Er trieb sie, ermunterte sie, kritisierte sie, hielt sie auf dem Boden und ließ sie Höhenflüge machen.
Durch den Abend wurde der Zuschauer von der fabelhaften Gayle Tufts begleitet, die es mit herzhaftem Charme und viel Esprit schaffte, einen würdevollen und anspruchsvollen Rahmen für die Darbietung der Gratulationsgäste zu schaffen.
Es wurden bei wunderbarer und purer Klavierbegleitung Lieder geschmettert, Erfahrungen ausgetauscht und Leidenschaften zum Besten gegeben. Mit viel Selbstironie gaben die Sänger u. A. Angelika Milster, ihr Ständchen, was der Ehrengast mit sehr viel Herzlichkeit und Rührung entgegen nahm.
Zum Schluss durfte Baumann neben seiner Danksagung, noch kleine Anekdoten erzählen, welche mit einem gemeinsammen Lied abgerundet wurden, was am Ende nur noch die Antwort auf die Frage- Wann ist die Beste Zeit?- hatte, -Wer weiss?!-.
Am Ende wünscht man diesem Format, das heute im kleinen Rahmen seinen Einstand fand, die Chance, so groß zu werden, wie die Macher es sich wünschen, denn die Idee stammt, wie vieles was wir kennen aus den USA, wo es mittlerweile grosse Gala- Abende für das Musical gibt, als auch für einzelne Menschen, die sich jahrelang geopfert und ihren Stempel aufgetragen haben.



Pics @ Ian Hansen- Artikel vom Bloginhaber: Tom Sebastian

Licht & Liebe

Sonntag, 25. August 2013

Altenpflege- eine aktuelle Bestandsaufnahme

Nach all den Postings zu Filmen, wieder einmal eines in ernsterer Angelegenheit.
Immer wieder wird vom Pflegenotstand gesprochen, davon das es Fehler gibt und das soviel Unheil passiert in der Pflege. 
Auch geht es an den Menschen immer weniger spurlos vorbei, wie stark die Lobbyarbeit betrieben wird. Zudem, wer die Presse etwas aufmerksamer verfolgt, wird feststellen müssen, wie unterschiedlich die Presse reagiert, aufgrund der Lobbyisten. Da wird einmal für, dann wieder gegen das Pflegepersonal geschrieben zum Beispiel. Mal sind sie die Guten, besonders dann wenn die hohe Politik sich positiv hervor tun möchte, dann wieder sind sie die Schlimmen, brutalen und herzlosesten Menschen, wenn es um die Versorgung der Betroffenen geht. Daraus resultieren dann Ratschläge in den Medien, die selbstredend die Erwartungshaltung der Betroffenen und deren Angehörigen nach oben treibt, welche durchaus nachvollziehbar ist, aber gelegentlich weit über das Ziel hinaus schiesst und man für das vermeintlich viele Geld das man zahlt dann auch die höchsten Leistungen haben möchte. 
Beschränken wir uns einmal nur auf die Altenpflege. Hier habe ich gerade Auszubildende in der Prüfung begleitet. Was erwartet denn diese? Wie starten diese in den Beruf, welcher bedeutet das Menschen für und am Menschen tätig sind. 
Ab von der Tatsache, das viele junge Leute heute ganz andere Bedingungen in ihrer Ausbildung haben und selber in ihrer Entwicklung ganz woanders stehen als die Generation davor, oder diejenigen, welche noch vor 20 Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Kann man hierzu nur sagen, viel sollen sie lernen, wenig können sie erproben, denn dank irrwitziger Stellenschlüssel werden sie meist als volle Fachkraft von Anfang an eingesetzt, statt nebenher zu laufen und zu lernen, zu erproben und zu studieren. So lernt man natürlich nur einen Bruchteil, der ihnen in der Theorie dargelegt wird tatsächlich. Zudem das gelernte in der Schule sich immer noch teilweise stark von der tatsächlichen Realität im Heim oder Krankenhaus unterscheidet. Somit gibt es keine effiziente Ausbildung und attraktiv wird diese damit auch nicht. Nicht umsonst gibt es gerade in der Pflege mittlerweile eine immens hohe Anzahl von Abbrechern. Wer ist da unsere Zukunft, wenn schon früher die Zahl derjenigen die nach 10 bis 15 Jahren im Beruf noch arbeiten, nur noch an die 20 Prozent betrug?! 
Nun aber kommen sie nach der Prüfung in ihre erste Anstellung als ausgebildete Fachkraft und müssen sich mit dem bereits bekanntem Stellenschlüssel herumschlagen, was bedeutet, sie können das gelernte gar nicht richtig umsetzen. Die Zeitfenster für jeden einzelnen Betroffenen sind so gering, das eine wirkliche persönliche und adäquate Auseinandersetzung kaum möglich ist und die Pflegekräfte sich verbiegen müssen, um dem Pflegeleitbild auch nur einigermassen gerecht zu werden. 
Das Bild was viele Aussenstehende von dem Beruf haben ist allerdings nach wie vor das eines "Gesäss- Abputzers" und "Brei- Fütterers". Das Pflegekräfte aber vielmehr tun und vieles davon gar nicht abgerechnet werden kann, das sie nicht nur Waschen helfen, sondern auch zuhören, Orientierung geben, im Sterben begleiten, Veränderungen als erste und Hautnah erkennen, um dann entsprechend zu reagieren, das alles will man oft nicht sehen und weiss man oft nicht zu schätzen. Wie oft wird geklagt das dies und jenes nicht in Ordnung sei und alles muss immer gleich und sofort erledigt werden. Sicher ist, keiner will den Job machen, aber die die ihn machen, sollen ihn perfekt machen, obwohl sie auch nur Menschen sind, die ihre Pause brauchen, nur zwei Arme und Ohren haben und doch immer  mehr müssen sie davon gleich alles in zehnfacher Ausführung haben, denn sonst machen sie ja schlechte Arbeit. Das sie zudem schlecht dafür bezahlt werden ist kein Geheimnis, aber da sie nicht auf die Strasse gehen, passt es der Politik alles so wie es ist und keiner mag und kann sich beschweren. 
Kann sich keiner beschweren darüber? Wohl doch, aber hier greift immer noch zu sehr das schlechte Gewissen, das man nicht eben auf die Strasse gehen kann, weil, wer versorgt dann die Betroffenen? Nur wo keine Lobby ist, ist das leider das einzige Druckmittel.
So kommt es, das Pflegende oft überfordert sind, mehr geben, als sie dürfen, da ja vieles davon nicht abgerechnet wird. 
Seelisch belastet es die Meisten, das sie sich kaum so um die Betroffenen kümmern können, wie sie es gerne täten. Da ist es kein Wunder, das der Krankenstand in der gesamten Branche im letzten Jahr um 10 Prozent angestiegen ist und damit die Spirale nach unten sich verschärft hat, denn nun beginnt die Überlastung und Demotivierrung erst richtig anzufangen. Leider gehen viele Kollegen trotz immenser Überstunden zur Arbeit und trauen sich kaum Überlastungsanzeigen zu schreiben. Das nützt ganz klar den Haupteigentümer der Häuser. So können sie Geld sparen und Gewinne einfahren, die sonst nicht möglich währen, obwohl man doch meinen sollte, Gewinne haben hier nichts zu suchen, ausser als Investition in das eigene Haus. Dem ist aber leider gar nicht so. Die Gewinne gehen für weiter Häuser auf die eröffnet werden, und für die an der Börse notierten Unternehmen bzw Fondeigner. Alles auf Kosten des Personals und der Betroffenen. Leider haben sie dies selbst mit zu verschulden, denn sie sind nicht auf die Strasse gegangen und haben gesagt, stopp- so nicht. Nun ist es an der derzeitigen Generation "Stop!" zu sagen, wenn sie selber in Zukunft etwas anderes will.
Bei den jährlichen Prüfungen die die Einrichtungen über sich ergehen lassen müssen, geht es vorwiegend immer noch nur um "Sicher- Sauber-Satt". Das wird es auch weiterhin, wenn keiner auf die Strasse geht und die Politik zwingt sich endlich ernsthaft um das Problem zu kümmern.
Doch bedenke man, nur überforderte und nicht unterstützte Pflegekräfte werden zum Problem. 
Auch bedenke man das diese Pflegenden Familien haben, die es zu versorgen gilt. Nur wie sollen sie es machen, wenn sie schon Mitte des Monats sich fragen müssen, woher sie das Geld nehmen sollen. Es bleibt ihnen ausser viel, viel Arbeit, daheim häufig nur noch Müdigkeit, Kopfschmerzen und ein kaputter Rücken, verspannte Schultern, welche von den Krankenkassen nicht ernst genommen wird. 
Berufskrankheit? Ach was! Sie haben sich nur nicht physiologisch bewegt. 
Nur wie soll das gehen, wenn man unter Zeitdruck steht, zu zweit die Station von 33 Betroffenen zu bewerkstelligen hat und gleichzeitig noch Arzttermine, Essen und Trinken managen muss. Und wenn dann auch noch Pflegemittel, Küchengeräte und Hygienemittel so angebracht sind, das man beim besten Willen nicht körperschonend arbeiten kann, ist es schon ein Hohn, zu sagen, dies sei nicht der Rede wert. 
Auch vermindert es nicht den Druck, wenn Angehörige täglich kommen, die Firma auf kostensparendes Arbeiten pocht und Ersatzkräfte einfach nicht erlaubt werden, weil sie sparen wollen. Die Flexibilität von Pflegekräften ist oft schon überstrapaziert.  
Doch vergessen sollte man auch nicht, das die meisten der Pflegekräfte ihren Beruf sehr gerne machen. Nur die Bedingungen, die sind einfach beschämend. 
Hier hat im übrigen bisher keine Partei wirklich ein Rezept herausgebracht, was ernsthaft Besserung verspricht und dies auch glaubhaft vermitteln könnte. Das sollte man bei der anstehenden Wahl im Hinterkopf behalten. Denn ich möchte ungern, das all diese noch zu motivierenden Pflegekräfte uns den Rücken zukehren und in's Ausland gehen, weil sie von billigeren Kräften verdrängt werden und weil sie im Ausland bessere Bedingungen vorfinden. 

LICHT & LIEBE

Sonntag, 24. März 2013

Stolperfallen, Hilfsmittel, Stürze

Stolperfallen sind ein Thema in meiner Arbeit.... Da lese ich viel darüber, da schaue ich, wie es im eigenen Haus ausschaut, da tausche ich mich mit Anderen aus. 
Stolperfallen sind ein Thema, wenn es um, vor allem alte Menschen geht.
Stolperfallen gilt es zu ermitteln, zu erkennen, zu beseitigen.
Das lässt sich natürlich nur bedingt vollziehen. Es dürfte klar sein, das ich draussen auf der Strasse nicht jedem alten Menschen hinterher oder gar voraussahnend laufen kann, um eventuelle Stolperfallen schnell beiseite zu schaffen. Selbst wenn ich wollte, schnell lässt sich da oft einmal gar nichts machen. 
Daheim bei den alten Damen und Herren sieht es schon anders aus. Da gibt es so allerhand an Gefahren, wie den bösen Teppich, die kleine gemeine Stufe oder die Türschwelle, die sie umhaut wie eine riesige Welle. Da ist das Kabel das sich um's Bein schlängelt wie eine Natter oder der scheinbar harmlose Schrank im Flur, der Dir immer wieder ein Bein stellt, so das du unsanft hinfällst.
Und ach was ist dass dann immer ein Drama, wenn die Kinder zu Eltern werden und ihre Eltern zu Kindern machen. Da gibt es nichts zu Lachen. Aber hier lässt sich einiges machen. Ganz einfach sogar, das wird nach kleiner Aufklärung auch jedem klar. 
Doch dann kommen Neuerungen. Es wird die Toilette "altersgerecht" gemacht. Meist sieht das auch ganz gut aus und scheint auch wirklich zu helfen. 
Scheint, denn oft ist nicht immer gut, was gut gemeint ist. Da kommt die Mutter gut in die Dusche rein, doch die Fliessen sind zu glatt. Da gibt es diese tolle Handstütze an der Wand, doch die ist für das kleine Bad zu lang. 
Und wieder haben wir das Drama.... ganz wie in einem Theater, Akt zwei ist jetzt dabei, die Mama und den Papa zu denunzieren. 
Jetzt muss der Rollator her, denn das Gehen fällt schwer, der Rücken wird krumm und die eigenen Eltern gelegentlich etwas "dumm". 
Doch diese tolle Erfindung sie hilft nicht nur, sie schwächt auch sehr, denn sie macht bequem und somit schwächer in den Muskeln, unvorsichtig im Gebrauch und schon liegt Papa auf dem Bauch.
Nun kommt Akt Drei, da ist dann die Meinung von den Eltern einerlei. 
Jetzt kommt das Heim!
Wie schön hier gibt es keine Stolperfallen, auch passt hier jeder auf, dass der Rollator gut und richtig genutzt wird und Training für die Muskeln gibt es auch. 
Wie schön währe es wenn ich Ihnen jetzt sagen könnte: " Nie, nie wieder wird es Stürze geben. Ab jetzt können sie Angstfrei leben!"
Doch oft verlieren die Damen und Herren an Gewicht, ja da stürzt es sich, ganz leicht, ganz leicht, nicht wirklich seicht, denn Knochen brechen mal im Alter, die sind nicht mehr so stark. Ja so ist das im Alter. 
Aber ach, da gibt es noch etwas, was ich immer wieder seh', die Halterung im Bad ist in vielen Heimen viel zu hoch und dann noch schräg, damit können die alten Mütter und Väter nicht umgeh'n. Die bewegliche Halterung rechts von der Toilette, die ist auch viel zu hoch und viel zu kurz. Da hat man wohl zu sehr am Gesunden alles erprobt. Das Beste aber ist, das Architekten oft gar nicht wissen, das alte Menschen einen Rollator besitzen, denn der Platz neben der Zimmertür ist mit ein paar Zentimeter viel zu klein und schon haben wir den schwarzen Peter und das Drama ruft hinein: "Der Rollator kann nicht einfach rum, er muss geradezu 360° gedreht werden, wo doch das rechte Bein nicht so will, das Gewicht sich so schlecht halten lässt und kein Handlauf im Zimmer ist..."
Egal, man muss zurück in's Bett. Es war dort so schön nett. 
Doch leider, leider... so eine Drehung, die ist schwierig und das Drama... ja, ganz wie im Theater... auch im letzten Akt es ist... Ein Sturz. 


LOVE & LIGHT