Sonntag, 14. Dezember 2014

Der beliebteste und zugleich unbeliebteste Freundschaftsdienst


Was könnte das wohl sein? Obschon wir ihn alle kennen und nicht umsonst hier ganz bewusst sogar sagen, es ist ein Dienst an der Freundschaft. Nicht Hilfe allein, sondern wahrhafte Arbeit. Ein Gefallen den man bewusst und tätlich tut.
Alle Jahre wieder hoffen wir, das unsere Freunde ihn für uns tun, uns dabei helfen, denn wir haben nicht das grosse Geld und oder wollen doch etwas sparen. Alle Jahre wieder werden wir von unseren Freunden gefragt, ob wir Hand anlegen könnten.
Wobei?
Beim Umzug. Nichts zeigt deutlicher, wie viel einem eine Freundschaft wert ist. Denn es heisst ja immer, mit euren Taten sollte ihr es beweisen. Oder so.
Leider könne wir nicht immer genau dann helfen, selbst wenn wir wollten, weil, weil, weil...
Oft aber könnten wir im Grunde, aber führen Gründe über Gründe an, weil wir im Grunde nicht wollen. Viele würden fast alles tun, aber eben nur fast und beim Umzug zu helfen ist dabei oft nicht dabei.
Wer viele Leute kennt ist hier im Vorteil, denn meist kommt, wenn es hoch kommt, gerade einmal die Hälfte der Freunde und Bekannten, die zugesagt haben. Absagen gibt es oft mehr als überhaupt Zusagen kommen.
Wir alle wissen warum dem so ist. So sehr wir immer wieder schwören, wir seinen gute Freunde, so kneifen wir gerade hier, obwohl wir doch nichts zu verlieren, eher etwas zu gewinnen haben.
Wir wissen es liegt an der Arbeit.
Umzug bedeutet körperliche Arbeit.
Was sind wir eine bequeme Generation geworden. Was sind wir so auf unseren eigenen Fixstern bezogen, das wir die Bedürfnisse Anderer nicht mehr erkennen und als gleichwertig erachten. Schliesslich erwarten wir doch im Grunde, dass uns jeder auch hilft. Gerade beim Umzug.
Dennoch kneifen die Meisten von uns lieber.
Kaum einer gibt dabei freiwillig zu, das er im Grunde wegen der körperlichen Arbeit meint, dass die Freundschaft dies Opfer nicht wert sei. Umgekehrt sieht die Meinungsbildung schon anders aus.
Was aber ist der Preis einer Freundschaft heute? Warum hat überhaupt die Hilfe bei Freundschaften einen Preis, wo sie freiwillig sein sollte und auf freier Basis geschieht?

Natürlich erleben wir bei Umzügen schlechte Organisation, zu schwer oder schlecht gepackte Kisten, oft zu knappes Zeitmanagement und zu wenig Dankbarkeit(in unseren Augen). Aber eigentlich ist dies das Wesen eines jeden Umzuges, das immer irgendetwas unperfekt ist; denn Umzug heisst Veränderung und Abenteuer, anpacken und los lassen. Umzug heisst sich mit teils fremden Leuten zusammenschliessen und gemeinsam schwere Dinge schleppen. Offen für neue Begegnungen sein und dabei am gleichen Strang ziehen.
Selten gibt es die Gelegenheit einer solchen Vorurteilsfreien und Erfahrungsreichen Begegnung.
Selten ist man so fröhlich erschöpft, wie nach einem Umzug und weiss was das eigene Tageswerk war. Selten haben wir die Gelegenheit so unbeschwert und doch mit Mühe, über uns hinaus zu wachsen.
Warum dann fürchten wir uns so sehr bei Umzügen zu helfen, sei es von Freunden, Bekannten und Verwandten? Schon gar nicht Fremden oder Freunden von Freunden mag mehr so recht geholfen werden.
Dies war noch einige Jahre zuvor deutlich anders.
Hat uns also die Konzentration auf unsere absolute und egozentrische Selbstverwirklichung einander aus dem Augen verlieren lassen? Können wir wirklich nur noch helfen, wenn es uns nichts kostet oder wir davon vermeintlich profitieren? Geht es nur, wenn wir minimalsten Kraftaufwand anwenden müssen. Oder haben wir das Opfern für den guten Zweck einfach verlernt, vergessen? Ist es die Angst, dass wir aufgrund der Erfahrung der letzten Umzüge, am Ende mehr arbeiten zu müssen als gewollt, was uns abhält? Denn wo einst viele Beteiligten waren, sind heute oft nur noch 4- 5 Leute am Heben und Bewegen.
Sollte es nicht aber genau deswegen ein extra Grund sein zu helfen?! Ich denke schon.
Warum wir aber mittlerweile so viel Angst haben zu helfen, das könnt ihr liebe Lese gerne einmal erläutern. Welche Theorien habt ihr? Woran liegt das? Was kann man tun, dies zu ändern, ausser positivem Denken? Wie und wo können wir der Unverbindlichkeit unserer Zeit etwas entgegensetzen und den Weg zu mehr gemeinsamen Erleben zurück erobern?



Licht & Liebe

Keine Kommentare: